Island

Ganz kurzfristig buchten wir eine zweiwöchige Reise nach Island.

In den Jahren zuvor war uns diese schöne Land, das wir bereits zweimal besuchten, viel zu überlaufen. Aufgrund von "Covid 19" war höchstens ein Drittel der Touristen unterwegs. Wir waren trotzdem selten mal allein unterwegs, aber insgesamt doch gute Vorrausetzungen für die Fotografie.

Ein anderer Faktor ist ebenso wichtig für die Fotos - das Wetter. In der ersten Woche hatten wir überwiegend bestes Licht - in der zweiten Woche war es sehr wechselhaft mit einigen Regenschauern. Das ist halt Island. Insgesamt sind aber sehr zufrieden mit den Erlebnissen und natürlich auch den Fotos.

Reykjavik

Nach unserem ersten Flug mit Maske oder auch im Volksmund Schnutenpulli (Covid 19) landeten wir auf dem internationalen Flughafen in Reykjavik, der ca. 60 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt. Dort nahmen wir den Leihwagen in Empfang. Es war ein Duster, der wohl schon einige Reisen mitgemacht hatte. Übersäät mit Kratzern und Beulen, aber ansonsten wohl geeignet für unser kleines Abenteuer. In Island empfiehlt sich ein allradgetriebenes Fahrzeug, auch wenn man es natürlich auf der Ringstraße, auf der man das ganze Land umrunden kann,  nicht unbedingt gebraucht. Aber sobald man vom Hauptweg abbiegt, macht sich solch ein Fahrzeug schnell bezahlt. Einige Wege, wie der zum Aldeyjar-Wasserfall darf man nur mit Allrad benutzen. Ganz billig ist Spaß nicht unbedingt - aber was ist in Island schon billig???

Die 60 kilometer bis in die Stadt eignen sich gut, sich an das Fahrzeug zu gewöhnen. Die Fahrerei in Island ist aber insgesamt ganz entspannt. Auch in Reykjavik ist verkehrsmässig nicht ganz viel los. Ein bißchen aufpassen muß man allerdings schon. Vor allem bei den zweispurigen Kreisverkehren. Da sind die Regeln hier etwas anders als in Deutschland.  Da ist es dann am letzten Tag auch einmal etwas knapp geworden.

Das Navi. hatten wir von daheim mitgenommen. Das ist schon sehr hilfreich, auch wenn dort längs nicht alle Punkte auf Anhieb im Navi zu finden sind.

Wir betraten mit Maske das Foyer unseres Hotels und wurden erstmal wie Wesen von einem anderen Planeten betrachtet. Im Juli waren die Fälle von "Covid 19" wohl noch nicht so hoch auf der größten Vulkaninsel der Erde . Das sollte sich später drastisch ändern. Aber nicht während der nächsten zwei Wochen, wo wir das Land bereisen wollten.

Am nächsten Tag beabsichtigten wir uns den Weg zum "Goldenen Zirkel" (Gullfoss, Geysire und Thingvellir) anzusteuern. Aber den Abend verbrachten wir in Reykjavik, um einige Spots zu fotografieren. Dazu gehörten vor allem die Hallgrimskirkja und die neue Oper. Man kann die Highlights der Stadt sehr gut zu Fuß abarbeiten. Alles gut erreichbar. Wir sind erstmal zur Oper, um uns einen Überblick zu verschaffen, dann zur Kirkja, die auf einer kleinen Kuppe liegt, und dann am Ufer zurück zur Oper, wo wir dann einen traumhaften Sonnenuntergang erlebten. Eigentlich wollten wir gar nicht so lange unterwegs sein. Aber das Licht war genial und so wurde es sehr spät, bis wir zurück im Hotel waren. Aber das war nicht schlimm. Für den nächsten Moregn war Regen angesagt. So konnten wir in Ruhe frühstücken und dann auf den Weg Richtung Thinkvellir machen.

Goldener Zirkel

Nach dem Frühstück machten wir uns dann auf den Weg zum Thinkvellir. Da es wie angekündigt regnete, ließen wir es langsam angehen, was auch wohl gut war. Es war sonntags und auf der Strecke, die ja so viele Touristen befahren, befand sich ein Abschnitt mit einer Geschwingigkeitsbegrenzung von 50km/H, die man nicht so recht nachvollziehen konnte. Ich mußte mich regelrecht zwingen, sie einzuhalten. Promt stand am nächsten Parkplatz eine Polizeistreife und holte die Temposünder aus dem Verkehr. Der Polizist gab mir erst auch ein Handzeichen, und ich dachte schon, mich hätte es auch erwischt. Er schaute aber nochmal auf das Kennzeichen und ließ uns dann passieren. Im Rückspiegel sah ich dann allerdings, daß nach uns einige Fahrzeuge wohl zu schnell waren. Das wäre ein weiteres sehr teures Vergnügen geworden.

Am mäßig gefüllten Parkplatz von Thinkvellir entrichteten wir die Parkgebühr und schlenderten dann zum Aussichtspunkt. Bezahlen kann man in Island (fast) überall mit Kreditkarte. Wir haben in den 2 Wochen kein Bargeld in Händen gehabt!

Es hatte zwar aufgehört zu regnen, aber der Himmel zeigte sich in zahlreichen Graunuancen. Wir waren schon 2 mal dort gewesen, wo das Licht sehr viel schöner war. Ein paar Aufnahme haben wir schon gemacht, aber wir sind dann relativ schnell zum Bruarfoss gefahren. Den hatten wir dem Gullfoss vorgezogen, da es am Gullfoss jetzt nachmittags doch wahrscheinlich eher sehr gut besucht war. Zum Bruarfoss muß man eine kleine Wanderung unternehmen, was ja viele Touris gleich abschreckt. Außerdem waren wir hier bei den 2 bisherigen Reisen noch nicht gewesen. Die Wanderung ist wirklich schön, fast immer an dem kleinen Flüß entlang bis rauf zu dem nicht gewaltigen aber sehr eleganten Wasserfall. Das Licht war in der Zwischenzeit auch etwas besser geworden. Die vielen kleinen Kasskaden des Flusses ließ uns dann auch gleich unsere ND-Filter aktivieren. Hat richtig Spaß gemacht - wenn da nicht ein Teil meines Reisestatives gefehlt hätte. Dummerweise lag der Stativkopf noch in der Satteltasche meines Fahrrades daheim. Der lag da gut, nutzte mir leider hier in Island überhaupt nichts. Glücklicherweise hatte ich mein "Gorillastativ" dabei.  Mit einer Reduzierschraube passte der Stativkopf dann wieder auf das Reisestativ. Puh - Glück gehabt. Wäre schon sehr ärgerlich ohne Stativ gewesen!!!

Danach haben wir dann unser Quartier im "Hotel Gullfoss" bezogen. Ein Stündchen ausruhen und dann noch zum naheliegenden Gullfoss. Um ca 8Uhr abends waren die Touristenströme ziemlich abgeebbt. Die sehr bekannten Spots waren trotz Corona gut besucht, aber insgesamt war es überall recht gut erträglich. Es waren keine Reisebusse unterwegs. Keine Chinesen und keine  Amerikaner, die die beiden größten Gruppen unter den Touris stellen. Nur Europäer, aber auch viele Isländer, meist mit Familien waren unterwegs, um ihr Land zu entdecken.

Na ja, jedenfalls standen wir jetzt fast ganz allein an diesem wunderschönen Wasserfall - die Sonne versteckte sich aber immer noch meistenteils hinter den Wolken. Leider mußten wir feststellen, daß der Aussichtspunkt des oberen Teils eine einzige Baustelle war. Um zum besten Punkt mit dem schönsten Blick zu kommen, mußten wir komplett zurück am Bauzaun entlang, um dann über die Wiese wieder vor zu laufen. Gesagt, getan, als wir wieder vorn an der Kante standen und die Stative wieder aufgebaut hatten, lugte dann kurz vor Sonnenuntergang doch nochmal der brennende Planet hinter den Wolken hervor und tauchte die Landschaft in goldenes Licht. Ja, goldenes Licht am goldenen Wasserfall. Das gefiel uns, wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt! Sonnenuntergang war übrigens 22Uhr45. Bis wir in den Federn lagen, verging nochmal eine Stunde. Und morgens ging es um halb fünf wieder raus, um den Strokkur im Morgenlicht zu fotografieren.

Als wir um fünf Uhr am benachbarten Geysir erschienen, empfing uns schönstes Morgenlicht. Aber die Sonne war eigentlich schon wieder zu hoch, um den Geysir im Gegenlicht zu fotografieren. Es ging noch so einigermaßen. Wir hätten noch eine halbe Stunde eher aufstehen sollen. Aber wir freuten uns natürlich über den blauen Himmel und fotografierten wie die Weltmeister.

Wir sind später nochmal zum Gullfoss, machten dort auch noch ein paar Langzeitbelichtungen, bevor das Licht schon wieder zu krass wurde.

Am Parkplatz vom Hotel begrüßte uns dann noch Goldregenpfeiffer mit seinen Warnlauten, der wohl irgendwo hier sein Nest hatte. Ich bin dann schnell ins Zimmer, um das 600er Teleobjektiv zu holen. Den hübschen Pfieffer konnte ich dann bestens ablichten. Das Licht war für die Vogelfotografie noch sehr gut......und keine anderen Hotelgäste in Sicht, die sich über einen über den Hof kriechenden Fotografen hätten lustig machen können. Nur der Hotelmanager grinste sich einen ab, als wir zum Frühstück gingen. Aber da stehe ich natürlich drüber. ;-))

Das Frühstück war dann absolut klasse - vielleicht das beste in den ganzen Tagen auf Island.

Mit vollem Bauche ging es dann weiter Richtung Vik y Myrdal!

Zwei Nächte hatten wir in Vik y Myrdal im Puffin Hotel gebucht. Unterwegs kommt man auf der Strecke dann erstmal am Seljalandsfoss und am Skogafoss vorbei. Da ist ein Halt unvermeidbar - auch wenn es hier tourimäßig schon ziemlich heftig war. Gern hätten wir am Seljalandsfoss abends gegen den Sonnenuntergang fotografiert. Aber es geht halt nicht alles. Uns war es wichtiger, zwei Tage in Vik verbringen zu können, da es hier aus unserer Sicht mehr Möglichkeiten gibt.

So kamen wir dann um die Mittagszeit bei strahlendem Sonnenschein am Seljalandsfoss an. Nicht die besten Bedingungen für die Fotografie. Die Menschenmassen machten es natürlich auch nicht besser. Aber wir bekamen doch einige respektable Aufnahmen - schön eingereiht in der Ameisenstraße hinter dem Wasserfall lang. Wie mag das hier in den letzten Jahre ohne "Corona" gewesen sein!!!

Am Skogafoss war es etwas angenehmer. Wir sind aber recht zügig zum benachbarten Kvernufoss gefahren. Zu diesem muß man ca. einen Kilometer laufen. Das und der Umstand, daß er nicht direkt an der Straße liegt, ist es zu verdanken, daß wir da nur auf einige Besucher gestoßen sind. Man kann den Kvernufoss ebenso wie den Seljalandsfoss hinterwandern. Das ist aber hier mit den wenigen Menschen wesentlich angenehmer. Aber auch das Umfeld gefällt mir sehr viel besser. Und bis in die letzte Ecke gerückt, schafft man es mit 14mm Brennweite bei einer Vollformatkamera, den kompletten Wasserfall aufs Bild zu bekommen.

Weiter ging es dann Richtung Vik, wo wir 2010 sehr viel Pech mit dem Wetter hatten. Vor dem Ort gibt es zwei Abbiegungen nach rechts. Die erste führt nach Dyrholaey, wo wir 2010 grauseliges Wetter hatten. Damals peitschte uns der Sturm den Regen nur so ins Gesicht. Wir wagten es kaum, aus dem Auto auszusteigen. Diesmal sah es ganz anders aus. Blauer Himmel und absolute Windstille. Die zweite dann zum Strand von Reynisfiara, die dann am zweiten Tag Thema werden sollte.  Vom Parkplatz in Dyrholaey aus erkundeten wir die verschiedenen Aussichtspunkte, wo man wirklich ganz feine Landschaftsufnahmen von der pitoresken Landschaft auf den Chip bannen  kann - aber nicht nur die. Von einem Punkt kommt man ganz nah an eine Kolonie Papageitaucher ran. Mit etwas Geduld kann man die drolligen Vögel hier wirklich bestens aus nächster Nähe und vielleicht noch mit einigen Sandaalen im Schnabel ablichten. Einigen ist das natürlich nicht nahe genug. Mehrere Handyknipser kletterten noch über den Absperrzaun, um die Vögel auch noch vollformatig auf das Smartphone zu bekommen. Einfach nur bescheuert - etwas anders fällt mir dazu nicht ein. Fehlt noch, daß irgendwann der erste Instagrammer in die Bruthöhlen klettert....das kommt dann als nächstes. Die Dummheit und Ignoranz einiger weniger ist wirklich unbeschreiblich. In diesem Falle waren es auch nicht die jungen Leute, sondern Personen im Rentenalter. Die sollten es doch eigentlich wissen.

Mit ersten vorzüglichen Bildern sind wir dann erst nach Vik zum Hotel, Einchecken, Abendessen und später zum Sonnenuntergang gleich nochmal zu diesem wunderbaren Spot. Landschaftlich liegt dann ein großer Teil im Schatten. Da muß dann die Belichtung schon gut stimmen, um feine Ergebnisse zu erzielen. Und die hübschen Papageitaucher erwischten wir auch noch im schönsten Licht.

Morgens sind wir erst zum Strand von Vik, um später nochmal nach Dyrholaey zu fahren. Wir waren ja schließlich noch nicht am berühmten Leuchtturm gewesen, der in unserem Archiv nicht fehlen sollte. Bei dem Schotterweg hinauf zeigte es sich dann auch zum ersten mal, daß es besser war, ein Allradfahrzeug zu nehmen, obwohl es auch nicht unmöglich erschien, mit einem normalen PKW da hoch zu kommen.

Wir sind danach nochmal zur Puffinkolonie  - bis sich dann irgendwann so langsam die Müdigkeit breit machte.

Beim krassen Mittagslicht machten wir dann eine kleine Siesta, so wie sich das für Fotografen gehört. Aber nicht allzu lange. Es wartete noch der Strand von Reynisfiara auf uns. Den erkundeten wir dann am späten Nachmittag. Trotz des Trubels dort bekamen wir schon ein paar nette Aufnahmen.

Na ja, was kann man an solch einem schönen Tag noch so anstellen?, fragten wir uns.

Wir fuhren wieder nach Vik, durch den Ort durch und nicht weit hinter dem Ortsausgangsschild ging eine Teerstraße nach links ab, die sehr einladend aussah. Da sind wir dann einfach mal reingefahren. Ein Hinweisschild verwies auf einen Campingplatz in ca. 23 Kilometer Entfernung. Nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel" steuerten wir unser Fahrzeug Richtung Hochland. Mit der Teerstraße war es schnell vorbei und der Weg zeigte nicht nur landeinwärts, sondern jetzt auch noch zügig berghoch. Na, das war doch ein kleines Abenteuer. Ich war mächtig neugierig, was uns auf der Strecke erwartete. Uns kamen u. a. einige Wohnmobile entgegen. Das konnte also nicht allzu abenteuerlich werden. Mir hat es auf jeden Fall einen Riesenspaß gemacht, diese Strecke zu fahren. Zwischendurch gab es einige nette Aussichtspunkte. Einfach traumhaft bei diesem tollen Wetter. Irgendwann erreichten wir dann auch den Campingplatz. Aber das war nicht wichtig. Die gleiche Strecke ging es wieder zurück mit einigen Stopps wieder an den schönsten Punkten.

Zurück in Vik angekommen, nahmen wir unser Abendessen  im selben Restaurant wie am Tage zuvor ein. Ja, etwas essen muß der gemeine Islandfotograf halt auch. Restaurantbesuche schlagen mächtig ins Kontor. Deshalb haben wir auch öfters einfach mal Pasta rot in den Herbergen mit Kochgelegenheiten oder einfach nur mal Käsebrote im Zimmer eingenommen. In Vik schmeckte es allerdings sehr gut. Etwas sparen kann man, weil es immer Wasser zu den Speisen gibt, das von ausgezeichneter Qualität in ganz Island ist. Ich habe mir meistens ein Bier gegönnt, Doris hat eher Wasser getrunken. Das war ein Kompromis, mit dem ich bestens leben konnte!

Nach dem Essen sind wir dann wieder zum Strand von Reynisfiara gefahren, um Langzeitbelichtungen am Strand zu machen. Es sieht schon klasse aus, wie die Wellen über die Steine gleiten. Der Strand ist sehr tückisch und hat in den letzten Jahren schon etliche unvorsichtige Fotografen durch seine Unterströmung ins Meer gezogen, was dann in der Regel tödlich endet. Da es aber an diesem Abend windstill war, hielt sich für uns die Gefahr in Grenzen. Aber ich habe doch öfters mal hinausgeschielt, ob da nicht doch mal eine größere Welle auf den Strand zurollt. Der niedrige Wellengang hat natürlich nicht nur Vorteile. Fürs Foto hätten wir uns schon ganz ordentliche Brecher gewünscht - aber die blieben wegen der Windstille natürlich aus. Dafür war das Licht ein einziges Träumchen. Genau die Portion Woklen, die man braucht, um Dramatik in die Aufnahmen zu bekommen. Da gab es nichts zu meckern. Und zwei solche Tage an diesem Ort zu haben, ist schon eine Gnade. Das konnte ruhig so weiter gehen....ging es aber nicht. Wir waren halt in Island unterwegs und nicht an der Costa Brava!!

Und so vergingen die zwei Tage im Nu, bis wir wieder mit gepackten Koffern und Fotorucksäcken im Auto saßen, das uns jetzt weiter Richtung Osten nach Höfn brachte!

Der Süden

Auf dem Weg nach Höfn, das an der Südostspitze Islands liegt, kommt man an einigen Highlights vorbei, die man sich natürlich nicht entgehen lassen darf. Auf der linken Seite begleitet einen Islands fantastische Gletscherwelt, rechts bekommt oft ein Ausblick auf den Atlantik geboten. Den ersten Halt setzten wir beim Svartiefoss. Dazu muß man wieder mal eine kleine Wandertour einlegen, die einen ca. 2 Kilometer den Berg hinauf zu einem kleinen aber feinen Wasserfall führt, der von schwarzen Basaltsäulen flankiert wird, die dem Svartiefoss seinen Namen geben. Auf deutsch würde er Schwarzer Wasserfall heißen. Das Wetter war ganz nett mit kurzen sonnigen Phasen. Aber wir waren auch nicht unbedingt allein unterwegs. Am "schwarzen" Wasserfall angekommen, stellten wir fest, daß man eine Absperrung gebaut hatte, so daß sich die Selfieleute nicht unmittelbar vor den Wasserfall stellen können, um sich in mancherlei absdruser Pose der ganzen Welt zeigen können. Die waren dann ein paar Meter weiter unterhalb aktiv und haben uns wenig gestört. Wir konnten direkt vor dem Zaun in Ruhe schöne Langzeitaufnahmen mit Stativen und Filtern machen.

Danach ging es weiter zu den zwei sehr bekannten Gletscherseen Fjelljökul und Jökulsarlon.

Der erstere war 2010 noch ein kleiner Geheimtipp - mittlerweile gibt es hier aber auch einen großen Parkplatz, von wo man die Lagune bequem erreichen kann. Dann weiter zum Jökulsarlon, wo es schon extrem belebt war. Die Lichtverhältnisse waren so einigermaßen, aber schon allein wegen der Menschenmassen hielten wir uns hier nicht lange auf, gingen rüber zum Diamond Beach, wo wir die Eisblöcke erwarteten, die das Meer wieder an den Strand wirft, nachdem sie durch die kurze Verbindung zwischen Meer und dem Gletschersee getrieben sind. Tja, leider hatte uns diese gefühlte angenehme Windstille der letzten Tage mal wieder einen Streich gespielt. Unmittelbar an der Mündung ins Meer waren überhaupt keine Eisblöcke. In der Ferne sah man einzelne Exemplare liegen, aber wirklich nur sehr weitläufig versprengt. Damit hatten wir nicht unbedingt gerechnet. Bei der Planung der Reise hatte man gewisse Bilder im Kopf -  das Eis im Gegenlicht bei warmen Licht erstrahlen zu lassen. Aber davon waren wir weit entfernt! Ein leichter Nebel hatte sich über die Szenerie gebildet, der in Verbindung mit den anwesenden Personen gar nicht so schlecht aussah.  So muß man immer versuchen, das beste aus der Lage zu machen. Aber vielleicht ist das auch ein Grund, Island irgendwann nochmal zu besuchen!

Bis nach Höfn waren es  vom Jökulsarlon noch knapp 200 Kilometer. Die nahmen wir dann in Angriff. Unser Quartier hatten wir für 2 Übernachtungen auf einem Pferdehof etwas vor Höfn gewählt, um erstens vielleicht ein paar schöne Pferdebilder zu erlangen, andererseits war man ja schon ein Stück wieder Richtung Jökulsarlon. Je nachdem, wie sich das Wetter entwickelt hätte, wären wir noch mal in aller Herrgottsfrühe zum Gletschersee zurück gefahren. Beides hat aber nicht funktioniert, weil erstens die Pferde viel zu weit vom Hof entfernt waren und zweitens für den Gletschersee einfach das Wetter nicht mitspielte! Das hätte schon optimal sein müssen, um nochmal knapp 400 Kiolmeter Fahrt in Kauf zu nehmen.

Aber Hauptgrund für den Standort hier war natürlich das Gebiet um das Vestrahorn, das wir möglichst bei schönstem Licht fotografieren wollten.

Ganz früh morgens schauten wir durch das Fenster, aber der Himmel war dicht bewölkt. Da brauchten wir keinen Stress zu machen. Nach dem Frühstück sind wir dann trotzdem los, um uns das Gebiet anzuschauen. Wir waren an dem Tage sogar die ersten Gäste, die das kleine Cafe betraten, um den Eintritt zu bezahlen. Viele Gebiete Islands sind in Privatbesitz. Der Besitzer dieses Gebietes verlangt einen Eintritt, weil er um die Attraktivität seines Grundes weiß. Das lässt er sich auch gut bezahlen. Wir legten umgerechnet ca. 13 Euronen pro Nase hin, um die Schranke passieren zu können. Man muß es vielleicht als ein Art Naturschutzabgabe sehen. Mit dem Gedanken habe ich dann auch meinen Seelenfrieden gefunden. Die deutsche Angestellte riet uns noch, den heutigen Tag zu geniessen. Morgen sollte das Wetter komplett umschlagen mit Sturm und Regen. Als wir dann um die Ecke bogen und das Vestrahorn zum ersten mal in Augenschein nahmen, stellten wir leider fest, daß die flache Pfanne, die sich bei Regen gern mit Wasser füllt und damit für die tolle Spiegelung der ganzen Bergkette sorgt, trocken gefallen war. Es hatte die letzten drei Wochen nicht geregnet. So hatte es uns der Wirt des Pferdehofes beim Früstück morgens erzählt. Wir fuhren weiter und gelangten schließlich zum Strand, als sich dann doch unerwartet die Sonne zeigte. Da sah die ganze Szenerie doch schon viel schöner aus. Erst nahmen wir die teils hüfthohen Gräser in den Vordergrund, dann wollten wir die Spiegelung des vom sehr flach abfallenden Strandes ablaufenden Wassers einfangen - was dann auch gut gelang!

Den ganzen Morgen verbrachten wir in diesem Gebiet, wo man auch Robben und einige hübsche Vogelarten antreffen kann. Beim Verlassen gönnten wir uns noch einen Kaffee und leckere Waffeln und peilten den Skutafoss an. Dessen Existenz hatten wir durch ein Buch erfahren. Der sehr ansehnliche Wasserfall ist vielleicht noch ein kleiner Geheimtipp, denn er ist nicht ausgeschildert. Fährt man die Ringstraße durch den Tunnel Richtung Norden, liegt er ein paar Kilometer nach dem Tunnel auf der linken Seite. Es gibt dort zwei oder drei ziemlich rumplelige Schotterwege. Ich weiß nicht mehr, welcher es war. Man konnte auf jeden Fall den Talausschnitt, den der kleine Fluß durchfliesst, schon von der Straße aus assozieren. Aber es lohnt sich, wie man vielleicht den Bildern entnehmen kann!

Weiter ging es an diesem Tage wieder Richtung Norden, wo wir noch Langzeitbelichtungen am Eystrahorn einfingen. Aber man merkte schon, daß es eine Wetteränderung gab.

Nach dem Abendesse sind wir dann nochmal los. Wir wollten uns den kleinen Ort Höfn noch anschauen. Die Sonne erzeugte nochmal sehr schönes Abendlicht, als wir ein paar Pferde auf einer Weide direkt an der Straße entdeckten. Da haben wir noch ganz feine Bilder dieser hübschen, vierbeinigen Models in den Kasten bekommen. Danach noch zum Hafen, immer auf der Suche nach großartigen Motiven, die wir allerdings in Höfn nicht unbedingt fanden. Aber der Tag war insgesamt wunderschön - weil ja da auch das Wetter entgegen der Vorhersagen noch gut durchgehalten hatte! Das sollte sich aber am nächsten Tag ändern.

Der Osten

An einen zweiten Besuch am Vestrahorn war nicht zu denken. Über Nacht war ein Sturm mit peitschendem Regen aufgezogen. Bis die Koffer im Auto verladen waren, tropften die Regenjacken schon sehr. Und das sollte den ganzen Tag so weiter gehen. Die Strecke durch den Südosten nach Seydisfjordur ist eigentlich sehr schön, aber viel gab es an diesem Tage nicht zu sehen. Alles grau in grau, Nebel, Regen, Sturm. Da blieben die Kameras im Rucksack. Im Hostel (ein ehemaliges Krankenhaus) in Seydisfjordur angekommen, sind wir nach einem Kaffee gleich ins kleine aber sehr gemütliche Zimmer und haben erstmal etwas Schlaf nachgeholt. In den letzten Tagen hatte sich doch ein ziemliches Defizit aufgebaut. Und so eine Rundreise ist halt anstrengend. Da braucht man sich nichts vorzumachen!

Abends haben wir dann noch ein mitgebrachtes Käsebrot mit etwas Gemüse aufgepeppt und überbacken - das war es dann an diesem Tage....und in der Hoffnung, daß es am nächsten Tage etwas besser sein würde, gingen dann die Lichter aus.

Morgens nach dem Frühstück hatte zumindestens der Regen aufgehört und sich der Sturm gelegt. So konnten wir doch noch die kleine Wanderung in den Ostfjorden machen, die wir bereits 2010 , damals mit einem Reiseleiter, durchgeführt hatten.<Aber irgendwie sah das doch wieder ganz anders aus. Genau wie damals konnten wir die Tour nicht durchführen, zumahl eine Brücke nicht mehr vorhanden war, die uns vor 10 Jahren noch den Weg zu der kleinen Naturschutzstation ermöglichte. Die konnte man jetzt nur noch erreichen, wenn man den Fluß mit dem Auto durchfurtete, was zu Fuß unmöglich war. Dafür war die Strömung viel zu stark, selbst wenn man die Wanderstiefel auszogen hätten. Das Auto war in dem Moment weit entfernt und ich hätte auch keine Lust gehabt, unseren Mietwagen da im Flußbett zu versenken. Stattdessen gingen wir einfach den Fluss entlang. In der Ferne war ein kleiner Wasserfall zu sehen. Zwischendurch staunten wir nicht schlecht, als wir am Ufer einen kurzen Abschnitt fanden, wo gerade mehrere Arten an Wildorchideen blühten. Insgeheim hatten wir das erhofft, weil wir vor zehn Jahren dort schonmal eine einzelne Orchidee gefunden hatten. Aber hier blühten gerade dutzende. Doris identifizierte insgesamt sechs verschiedene Knabenkräuter. Das war doch mal ein Highlight - jedenfalls für uns. Außerdem gibt es in den Ostfjorden eine interessante Vogelwelt. Die Papageitaucherkolonie auf der anderen Seite des Flusses war durch das Fehlen der Brücke leider unerreichbar geworden, aber ich konnte sehr erfolgreich Uferschnepfen, Brachvögel und wieder einen Goldregenpfeiffer ablichten. Mit Orchideen und hübschen Vögelchen konnten wir unser Islandarchiv deutlich bereichern. Der kleine Wasserfall war nicht der Brüller, da sich schon wieder nasses Grau in Form von tief dunklen Wolken über den Bergen gesammelt hatte, was den sprudelden Wasserfall nicht unbedingt aufhübschte.

Nachmittags zeigte sich dann sogar mal wieder die Sonne. Da sind wir wieder Richtig Egilstadir gefahren, wo es noch zwei fotogene Wasserfälle gibt. Der Himmel wurde zeitweise nochmal richtig dramatisch, ein Regenbogen über der Landschaft....da war der gestrige Regentag schnell vergessen. Islands Wetter ist halt unberechenbar. Da sind wir nicht die ersten und nicht die letzten, die das festellen mussten.

Gekrönt wurde der Tag dann mit einem vorzüglichen Essen in einem Fischrestaurant in Seydisfjordur. Nicht gerade im Angebot - aber dafür hatten wir ja tags zuvor Käsebrote gegessen. Und mit der Kreditkarte merkt man es ja nicht so, wie die Scheine den Geldbeutel verlassen. Es ändert doch nur eine Zahl auf dem Konto, das jetzt mehrere tausend Kilometer entfernt war. Aber im Ernst: zweimal haben wir während der Reise mal recht teuer gegessen. Das sollte man sich auch mal gönnen. Schließlich ist es neben der Fotografiererei ja auch noch unser Jahresurlaub. ;-))

Und so waren die zwei Tage in den Ostfjorden auch schnell wieder vorrüber. Ich mag diese Gegend sehr, vor allem, weil sich hierher doch bei weitem nicht so viele Touristen verlaufen!

Nächstes Ziel war der Myvatn. Da sah es dann wieder anders aus!

Bevor wir den Myvatn erreichten, bogen wir von der Ringstraße erst noch Richtung Dettifoss ab. Und zwar zur östlichen Seite dieses respekteinflössenden Wasserfalls. 2010 hatten wir ebenfalls diese Seite besucht. Die Urgewalt des tosenden Wassers kommt von dieser Seite einfach besser rüber! Und auch vom Licht ist es morgens mMn. günstiger!

Der Himmel sah noch einigermassen freundlich aus - aber schon mit deutlich grauen Nuancen. Nicht optimal - aber bei Reisen muß man halt nehmen wie es kommt. Man ist nicht bei "Wünsch Dir was" !Und wir hatten ja schon bei einigen Punkten zwei Tage eingeplant!

Wir sind auch noch zum Sellfoss hochgestiefelt, den wir 2010 ausgelassen hatten. Auf jeden Fall konnten wir an beiden Wasserfällen sehr entspannt unsere ND-Filter einestzen, um das fliessende Wasser schön elegant darzustellen. Ein Tipp noch für die Fotografen: Es gibt die Möglichkeit auch, aus mehreren Einzelaufnahmen (auch HDR-Aufnahmen) über den Mittelwert Langzeitbelichtungen in Photoshop zu simulieren. Auch Frames aus 4K-Videos (Stichwort Gopro, o.ä.) eignen sich dafür. Theoretisch auch HD-Aufnahmen, aber da fehlt es dann an Auflösung!

Bei Reisen hat man nicht immer Zeit, um mit Stativ und Filtergedöns zu werkeln. Da ist das eine gute Möglichkeit, aus solchem Material anschauliche Bilder zu produzieren. Das ist zwar nichts für Puristen - aber für ergebnisorientierte Reisefotografen vielleicht gelegentlich eine Alternative.

Gegen Mittag erreichten wir dann den Myvatn, den wir dann erstmal etwas erkundeten. Aber es war alles grau in grau, so ähnlich wie vor 10 Jahren. Man könnte fast den Eindruck bekommen, daß es hier immer bedeckt und nicht besonders freundlich wirkt.

Etwa 80 Kilometer von unserer Unterkunft liegt der Aldeyjarwasserfall, einer der schönsten "Fossens" Islands. Den wollten wir unbedingt besuchen. Auf dem Weg kommt man noch an dem ebenfalls sehr attraktiven Godafoss vorbei. Der liegt allerdings an der Straße, während man für den Aldeyjarfoss noch ca. 40 Kilometer Rumpelpiste bewältigen muß. Die letzten 4 Kilometer darf man nur mit einem Allradfahrzeug befahren, weil es eine F-Road ist. Wenn man diese Anordnung nicht befolgt, kann man sich eine empfindliche Geldstrafe einfangen.

Der Himmel zog sich aber immer mehr zu, so daß wir nur zum Aldeyjar fuhren. Den Godafoss konnten wir zwei Tage später noch bei unserer Weiterfahrt Richtung Akureri einplanen.

Mit reichlich "fallendem" Wasser auf den Speicherkarten kehrten wir wieder zu unserem Hostel am Myvatn zurück.

Am nächsten Morgen regnete es leicht. Da sind wir dann erst zur "blauen Grotte" und dann ins Vulkangebiet "Hver" gefahren. Gut, daß die Kameras den Schwefelgeruch nicht einfangen können. Wir kannten es noch von 2010. Damals hatte sich unser isländischer Fahrer strikt geweigert dort auszusteigen. "Da geht man doch nicht freiwillig hin" hatte er damals ziemlich lautstark zu Protokoll gegeben. Na ja, der Gestank ist ja schon unangenehm - aber etwas nerviger sind dort doch noch die "Mücken", die zwar nicht stechen, aber ständig versuchen, in alle möglichen Körperöffnungen am Kopf zu fliegen. Tja, schließlich heißt "Myvatn" auf deutsch "Mückensee"!

Aber die Farben der vulkanischen Natur sind nach wie vor sehr beeindruckend. Das zeigt sich hoffentlich auch auf unseren Bildern.

Nachmittags haben wir dann nochmal den ganzen See umrunded, zwischendurch auch wieder kleine Spaziergänge gemacht und natürlich auch nach der reichhaltigen Vogelwelt Ausschau gehalten. Aber bei trüben Wetter wollte es einfach nicht richtig zünden.

Ach ja, da war auch noch was mit unserem Auto, das schon seit einigen Tagen beim Bremsen ziemlich unangenehme Geräusche produzierte. Ich hatte außerdem den Eindruck, daß auch die Bremskraft nicht bei 100 % lag. Da mussten wir unbedingt etwas unternehmen. Leider war an diesem Tag Feiertag in Island. Da war niemand zu erreichen.

Am nächsten Morgen hatten wir uns dann nach etlichen Versuchen telefonisch zu "Avis" in Akurei durchgewurschtelt.

Wir vereinbahrten einen Termin um die Mittagszeit, zumahl unser Weg sowieso in Islands "Hauptstadt" des Nordens führte. Vorher nahmen wir allerdings noch fotografisch den Godafoss mit. Der Himmel schmückte sich mit etwas hellerem Grau als am Vortag, und über dem so schönen Wasserfall lag eine dichte Nebelbank. Tja, ist halt Island - das mußten wir mal wieder so nehmen wie es kommt. Trotzdem kommt die Schönheit dieses auch sehr gut besuchten Wasserfalls gerade durch den Einsatz von ND-Filtern sehr gut heraus.

Die Firma Avis stellte uns dann ohne größere Zickerei einen viel exclusiveren Nissan zur Verfügung. Der Duster hatte sich wohl ein Steinchen zwischen die Bremsbacken geholt. Aber genaueres werden wir nie erfahren. Wir hatten jetzt auf jeden Fall ein viel moderens Fahrzeug. Da machte es ja fasz schon Spaß, durch den strömenden Regen zu fahren. Der letzte Satz war übrigens ironisch gemeint. ;-))

Unser Ziel war an diesem Tage ein Hostel direkt am Hvitserkur, diesen prägnanten Fels im Meer, den die Islandfans wohl alle kennen dürften.  Ein Bild gibt es von der 2020er Reise kann ich nicht zeigen, denn bis zur Abreise am nächsten Morgen gab es Dauerregen vom Allerfeinsten, kombiniert mal wieder mit einer sehr frischen Brise! Wir sind einmal kurz zum Aussichtspunkt, überlegten kurz, ob wir den überaus glitschigen Weg runter zum Strand bewältigen sollten, entschieden uns dann, ohne Fotodokumente das Weite zu suchen. Trotzdem gab es auch positives zu vermelden. Im Hostel lernten wir ein französisches Paar kennen, mit denen wir einen netten Abend verbrachten. Die Verständigung teils mit Händen und Füßen teilten wir unsere Reiseerfahrungen....und noch einiges mehr. Sie konnten ungefähr so gut englisch wie ich französisch - und mein französisch ist nicht gut!!! Mein alter Französischlehrer aus Schulzeiten möge mir das verzeihen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir ja noch Hoffnung auf eine Wetterbesserung am nächsten Morgen. Diese Hoffnung war leider umsonst. Und so blieb von unserer Reise nur noch der Westen übrig, den wir dann auch anpeilten.

Der Norden

Der Westen

2008 hatte uns die Halbinsel Snaefellsness doch so beeindruckt. Die wollten wir unbedingt nochmal besuchen. Und so buchten wir eine Übernachtung in der Nähe von Kirkjufell, wo es ja noch diesen schönen Wasserfall vor dem prägnanten Berg in Form eines Kirchendaches gibt. Alles richtig gemacht - einziges Problem war das Wetter. Aber wie schon mehrmals geschrieben: man muß immer das beste aus jeder Lage machen. Aber so langsam nervte es schon ein wenig - vor allem, wenn man vor der Reise mal in den Communities wie 500px oder auch Fotocommunity Bilder recherchierte.

Wir umrundeten am Nachmittag die ganze Halbinsel und waren froh, daß es teilweise wenigstens trocken blieb. So konnten wir noch einige Aufnahmen an den Viewpoints machen, in Arnastapi fotografierten wir den berühmten Felsenbogen und die schwarze Kirche von Budir mußte natürlich auch noch Model stehen. Zum Schluß des Tages nochmal ein Stopp am Kirkjufell Wasserfall - da sah es aber auch nicht besser aus als mittags. Und vom Snaefellsjökull bekamen wir den ganzen Tag gar  nichts zu sehen. Der hüllte sich im Nebel.

Neuer Tag, neues Wetterglück.

Nach dem Frühstück sind wir dann wieder bei strömenden Regen los. Es sah aber jetzt eher wie Schauerwetter aus...vielleicht geht ja doch noch was!!!

Im Auto ausharrend spähten wir am Parkplatz vom Wasserfall in den Himmel, um auf keinen Fall die Wolkenlücke zu verpassen, die wir jetzt brauchten. Mit dieser Taktik waren wir allerdings nicht allein. Doris war jedenfalls die erste, die noch bei abziehender Schauer das Auto verließ, um mit Stativ und dem ganzen Fotogedöns zum Objekt unserer Begierde zu schreiten.

Wie auf ein geheimes Zeichen öffneten sich eine ganze Reihe Autotüren, um ihr zu folgen. Warum mußte ich ausgerechnet da an den Film " Das Leben des Bryan" denken! Ihre "Sandale" hat sie dann aber nicht gehoben! (wer den Film kennt....)

Na ja, wenige Minuten später zeigte sich jedenfalls auch mal punktuell die Sonne, was dann ein gerechter Lohn für die Beharrlichkeit darstellte. Die Trockenphase hielt sogar eine gute halbe Stunde an. Genug Zeit , um den Wasserfall ganz fein abzulichten. Halt ganz anders, als wir uns das eigentlich vorgestellt hatten. Zum Schluß zeigte sich dann sogar noch ein Regenbogen, der der Szenerie doch etwas ganz besonderes verlieh.

Beim Weg zurück auf dem Parplatz hatte ich noch den schönen Regenbogen vor der Nase, aber keinen geeigneten Vordergrund. Da entdeckte ich in ein paar hundert Metern Entfernung ein paar Pferde auf der Wiese. Na, das wäre doch zu schön, die Pferdchen unter den Regenbogen zu kriegen. Aber wie lange würde der Bogen noch durchhalten. Da habe ich dann zum Dauerlauf angesetzt, um mir mein gewünschtes Motiv zu ermöglichen. Die Pferde waren durch meine Rennerei neugierig geworden und kamen mir sogar entgegen.....und der Regenbogen hielt auch noch durch!!!

Schnell konnte ich ein paar Aufnahmen machen, aber jetzt waren meine Models zu nahe am Zaun. Nur ein Tier blieb etwas vom Zaun entfernt.

In diesem Moment setzte wieder eine Schauer von hinten ein, während das Pferd noch im Sonnenschein stand. Während einer Schauer stellen sich die Pferde allerdings immer mit dem Hinterteil zum Regen hin, so daß ich mein Model nur in der Rückansicht hatte. Grrrrr!!! Doris war mittlerweile auch vor Ort und so versuchten wir zu zweit das Pferd mit Geräuschen oder Geesten zum Umdrehen zu bringen. Immerhin drehte er einmal den Kopf. Ansonsten blieb er oder vielleicht auch sie stur. Aber das war trotzdem noch ein Extraschmankerl, und diese Serie gehört zu meinen Lieblingsbildern dieser Reise.

Letzte Station unserer Reise war dann der Hraunfossar, in dessen Nähe wir dann die letzte bzw. vorletzte Buchung hatten.

Wir sind noch über Styykisholmur gefahren, um dort den Hafen und den Leuchtturm zu fotografieren. Der Himmel zeigte sich auch wieder versöhnlich.

Nach einer kleinen Stärkung mit Kaffee und Zimtschnecken in einem Cafe ging es wieder ortsauswärts, als uns ein Polizeiauto entgegen kam. Im Rückspiegel sah ich, daß er drehte....nanu....dann machte er Blaulicht an, überholte uns und wies uns in eine Nebenstraße, wo wir halten sollten.

Leichter Adrenalinausstoß bei uns beiden. Er hatte eine größere Beule an unserem Auto entdeckt, die aber schon beim Entgegennehmen des Fahrzeugs vorhanden war. Er war jedenfalls zu einem Supermarktparkplatz gerufen worden, wo ein Fahrer ein Fahrzeug beschädigt hatte und geflüchtet war. Das ist auch in Island nicht gern gesehen!

Wir konnten allerdings den Schaden an unserem Fahrzeug durch die Papiere des Autoverleihers nachweisen. Ich hatte zusätzlich noch Fotos bei der Übergabe mit dem Smartphone gemacht, die sich der sehr freundliche Polizist auch noch zeigen ließ. Damit war der Fall für uns erledigt. Er wünschte uns noch eine gute Weiterfahrt und wir drückten ihm die Daumen, daß er den Flüchtigen schnappen würde!

Unsere Route ging dann über die gut ausgebaute Schotterstrecke direkt an der Küste entlang in Richtung Landesinneres.

Eine gute Entscheidung, denn hier gab es nochmal sehr schöne Ausblicke......und Sonnenschein, zumindestens teilweise!

Am Hraunfossar, den wir gegen 17 Uhr erreichten,  hatten wir dann auch nochmal sehr gute Bedingungen. Leider war das Wasser durch die vielen Regenfälle ziemlich braun gefärbt. Nur das Wasser des eigentlichen Wasserfalls, das durch das poröse Gestein dringt, um dann in den Fluß zu stürzen, war von dieser schönen bläulichen Färbung, die die Aufnahmen vielleicht noch etwas aufgehübscht hätte. Aber ich will nicht meckern. Da waren schon sehr gute Langzeitbelichtungen dabei.

Im sehr netten Gästehaus gönnten wir uns dann noch ein noch netteres Dreigängemenü...schon mit einer dicken Abschiedsträne im Knopfloch!!!

Müdigkeit und die Schwerkraft ließen uns dann in die Horizontale gleiten. Die Augen wurden nach dem guten Essen so schwer, daß wir leider das traumhafte Abendlicht nur einmal kurz wahrnahmen, bevor wir wieder im Schlaf versanken. Da hätte man sich vielleicht doch nochmal aufraffen sollen, um zum Hraunfossar zu fahren. Aber irgendwann geht halt nix mehr. Man ist halt auch keine 20 oder 30 mehr!

Der Rest ist schnell geschrieben. Am nächsten Tag ging es wieder nach Reykjavik. Der Flug ging am übernächsten Tag ganz früh morgens. So gaben wir nachmittags den Mietwagen am Flughafen ab und hatten noch eine Übernachtung in der Nähe des Flughafens. Gegessen haben wir dann noch irgendwelches ekeliges Hühnchen in einem Fastfoodtempel. Petrus hatte derweil auch wieder die Himmelsschleusen über Island geöffnet. Da war an dem Abend "indoor" auf dem Hotelzimmer angesagt. Und nach einer kurzen Nacht fanden wir uns dann im Flieger Richtung Heimat wieder.

Insgesamt hat sich unsere sehr spontane Entscheidung sehr gelohnt, Island gerade jetzt in diesem Coronajahr zu bereisen. Wir haben da gut gepokert und sind sehr dankbar, daß alles so reibungslos geklappt hat und wir wieder gesund nach Hause gekommen sind.

Es war kein Quartier dabei, das wir nachträglich bereuen würden. Island ist natürlich sehr teuer. Aber es blieb doch insgesamt überschaubar.

Um die Kosten etwas zu senken, hier noch ein Tipp. Packt anstatt einer vierten Hose oder Pullover, zehn T-Shirts und Kosmetikkoffer lieber einige Packungen Nüsse, Trockenobst oder Müsliriegel ein. Damit kann man schnell mal eine Mahlzeit überbrücken. Wasserflaschen braucht ihr mMn. nicht kaufen. Höchstens eine am Anfang, die ihr immer wieder aus dem Hahn in den Unterkünften nachfüllen könnt. Ich habe selten so gutes und schmackhaftes Wasser getrunken wie in Island.

Einige Tipps hatte ich ja zwischendurch schon gegeben. Auf keinen Fall dürft auch im Sommer Wanderschuhe oder -stiefel, Mütze, Handschuhe, Schal, dicke Pullover und Jacken vergessen. Und wenn es geht, auch noch die lange Unterhose. Und auch eine Thermosflasche ist von Vorteil. Meistens ist ein Wasserkocher auf dem Zimmer. Das Wetter dort ist einfach unberechenbar.

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