Madeira

Für 10 Tage ging es von Lissabon aus, wo wir vier Tage verbracht hatten, jetzt weiter  ca. 1000 Kilometer Richtung Südwesten auf die die beliebte Blumeninsel Madeira, die zu Portugal gehört.

Nachmittags kamen wir am Flughafen nahe Funchal an. Gleich nahmen wir unseren Mietkleinwagen (Ford Fiesta), den wir von zuhause aus gebucht hatten, in Empfang. Einen Kleinwagen gebucht zu haben, stellte sich als goldrichtig raus. Auf den engen und teils sehr steilen Straßen geht Wendigikeit vor Größe und PS-Stärke. Mit einem bei uns in Deutschland so beliebten Hausfrauenpanzer oder auch SUW genannt ist man klar im Nachteil - was das Fahren anbelangt. Protzen kann man natürlich besser mit viel Blech und Technik - am besten auf der autobahnähnlichen Nationalstraße im Süden der Insel. Aber deswegen waren wir ja nicht hier.

Wir hatten unser erstes Quartier in Santo da Serra gebucht, um nahe am Sao da Lourenco zu wohnen. Schnell ins Auto setzen und mal eben auf die wüstenähnliche Landzunge im Osten von Madeira zu kommen - ein Trugschluss, wie sich zeigen sollte. Santo da Serra liegt im Hochland. Man muß unzählige Serpentinen mit teilweise knapp vierzig Prozent Steigung überwinden, bis man endlich dort ist. Da dauert es ca. 40 Minuten, wenn man eine direkte Strecke von Luftlinie 8 Kilometern überwinden will, auch wenn man schon fast wie ein Einheimischer fährt. Anfängern würde ich es nicht empfehlen, auf Madeira selbst zu fahren. Man muß speziell in den Bergen hochkonzentriert fahren und unter Umständen blitzschnell reagieren, wenn man auf Gegenverkehr trifft, der üblicherweise die komplette Fahrbahn nutzt. Ich hab auch ein bis zwei Tage gebraucht, um mich an diese Fahrweise zu gewöhnen. Auch ist es ratsam, das möglicherweise mitgebrachte Navi nochmal mit einer aktuellen Karte zu bestücken. Viele unserer Ziel hat unser nagelneues "TomTom" nicht gefunden. Auch die errechneten Strecken waren öfters mehr als suboptimal!!! Aber letztendlich haben wir alles gefunden, halt teilweise etwas mühsamer. Nicht zuletzt in Verbindung mit "Google maps" vom Smartphone, das erfreulicherweise fast überall guten Empfang hatte!

Santo da Serra hat einen weiteren Nachteil. Man hat hier überhaupt keine Aussicht auf das Meer. Es ist sehr schwer einzuschätzen, ob es sich lohnt, morgens um 6Uhr zur Küste zu fahren oder nicht. Da die Wetterlage insgesamt etwas durchwachsen war, beschränkten wir uns auf insgesamt drei Besuche am Sao da Lourenco, die leider nicht die Ergebnisse brachten, die wir uns vorgestellt hatten. Meistens war es tagsüber sonnig, aber zum Sonnenauf- bzw. untergang schoben sich in aller Regelmässigkeit Wolken vor die Sonne, so daß wir mit den Lichtsituationen leben mussten, die wir halt vorfanden. Insgesamt sind schon einige gute Aufnahmen entstanden.....aber man halt mittlerweile hohe Ansprüche.

Trotzdem ist es uns lieber im rauhen und vergleichsweise natürlichen Norden unterwegs zu sein, als im fast zugebauten sonnigen Süden.

Von Santo Da Serra unternahmen wir mehrere Wanderungen, u.a. natürlich am Sao Lourenco, die Wanderung "Verde" von Faial aus, eine Levadawanderung ins grüne Herz von Madeira, ausserdem mehrere kleine Exkursionen zu den Aussichtspunkten im Norden mit dem Auto und einen Ausflug nach Funchal, der Hauptstadt Madeiras, die im sonnenverwöhnten Süden liegt.

Bei letzterem stand ein Besuch im bekannten botanischen Garten an, eine Fahrt mit dem Tereferico, einer Seilbahn, die die Altstadt mit den höher gelegenen Stadtvierteln verbindet, und natürlich der Markt und die Altstadt waren Programm.

Nach dem leicht durchwachsnen Start in Santo Da Serra hatten wir drei Übernachtungen in Ponta Da Sol geplant. Dieses kleine Städtchen an der Südküste hat eine sehr fotogene Altstadt. Bei unseren Recherchen waren wir immer wieder über tolle Bilder von diesem Ort gestolpert. Auch in einigen Videos auf Youtube wurde Ponta Da Sol als idealer Stützpunkt für Fotobegeisterte empfolhlen. Im Glauben, alles richtig gemacht zu haben, wollten wir dann gleich nach Ankunft den schönen Spot mit Meerblick begutachten. Zu unserem Entsetzen war aber genau dieser eigentlich fotogene Abschnitt eine einzige Baustelle. Zusätzlich war hier wohl vor einigen Tagen ein größeres Konzert gewesen. Man war dabei, die riesige Bühne abzubauen. Mit einem ziemlichen Kloss im Hals mußten wir diesen Spot ganz schnell abhaken. Wir hatten hier eine Ferienwohnung mit Meerblick gebucht, die etwas ausserhalb, allerdings an einer Hauptverkehrstraße lag. Die Lärmemissionen machten unsere Laune auch nicht unbedingt besser.

Die Wohnung war allerdings wunderschön und sehr liebevoll eingerichtet. Mit geschlossenen Fenstern ging es dann so einigermassen und nachts waren Ohrenstöpsel unvermeidbar. Wir brauchten dann so einen Tag, bis wir uns mit der suboptimalen Situation arrangieren konnten.

Fotografisch hatte Ponta Da Sol sonst nicht viel zu bieten, so wichen wir einfach den ersten Abend ins südlich benachbarte Ribeira Brava aus, das auch ganz nette Möglichkeiten bot.

Am zweiten Abend nahmen wir uns dann das Nachbardorf Madalena Do Mar im Norden vor, was auch eine gute Entscheidung war. An beiden Abenden gab es einen respektablen Sonnenuntergang und der Ärger der Baustelle war so gut wie verdrängt!

Bei einem Ausflug in die "Paul Da Serra"-Hochebene entdeckten wir dann unseren Madeira-Liebingsspot, den Feenwald von Faial!!!

Durch seine Topografie fangen sich hier immer wieder Nebelbänke, so daß durch die andauerende Feuchtigkeit diese wunderbare Ansammlung an knorrigen Lobeerbämen entstanden ist. Im Schnitt gibt es hier pro Jahr 300 Nebeltage, was fotografisch natürlich sehr reizvoll ist. Die Bäume geben immer ein tolles Motiv ab, egal bei welchem Wetter. Insgesamt statteten wir diesem Ort 5 Besuche ab. Dreimal stocherten wir in solch dichten Nebel rum, daß wir Probleme hatten, unser Auto wiederzufinden. Einmal trafen wir leichten Nebel an und bei einem Besuch begrüßte uns ein strahlend blauer Himmel. Und jedesmal waren wir fast allein, was auf Madeira leider keine Selbstverständlichkeit ist!!!!

Es gibt auf dieser wunderbaren Wanderinsel ein paar Wege, die wohl in wirklich jedem Wanderführer wärmstens empfohlen werden. So auch die ca. 5km lange "25 Fuentes" Tour!!! An einem Tag wollten wir die am frühen Nachmittag beginnen. Am Parkplaz herrschte Chaos, mehrere hundert Fahrzeuge bevölkerten das eigentlich recht große Areal für die Blechlawine, zu der wir natürlich auch gehörten. Auf dem Wanderweg würde es jetzt wohl zugehen wie auf der Kirmes. Alle wollen sie die schöne Grotte mit den mindestens 25 kleinen aber feinen "Wasserfällen" bestaunen. Das war natürlich nichts für uns! Wir kehrten um, fuhren einen weiten Schlenker durchs Hochland, um dann zur Wohnung zu fahren.

Stattdessen machten wir uns am nächsten Tag sehr früh auf den Weg, um an die 25 Fuentes zu gelangen. Am Parkplatz standen 5 Autos. Na, das sah doch schon wesentlich besser aus. An der Grotte angekommen stellten wir schnell die Stative auf, um das schöne Naturschauspiel auf den Chip zu bannen. Das gelang auch sehr gut. Aber nach einer Viertelstunde füllte sich die kleine Grotte so langsam mit weiteren Wanderern. Im Zeitalter der Selfies stellen sich die Smartphoneknipser auch hier gern in Pose, um sich für die nächsten Jahrtausende digital mit dem Wasserfall im Hintergrund zu verewigen. Ich hoffe, die ironische Note kommt in meinen Zeilen gut rüber!!!

Wir waren natürlich froh, daß wir wir unsere Aufnahmen vor den Knipsern getätigt hatten. Sonst hätte es längere Wartepausen incl.  einer möglichen Schlacht der Selfiesticks gegeben.

Auf dem Rückweg kam uns dann eine Busladung nach der anderen in einer nicht enden wollenden Prozession entgegen. Man hat schon die Wegführung verändert, daß es einigermassen staufrei auf diesem beliebten Wanderweg zugeht.

Für mich ist es sehr erstaunlich, wie sich immer wieder die Tourimassen an einigen wenigen Spots konzentrieren. Wenn man den Massen aus dem Weg gehen will, muß man früh raus. Diese Maßnahme funktioniert zum Glück auch auf Madeira!!!

Der dritte und letzte Teil unserer Madeirareise brachte uns nach Porto Moniz im Nordwesten der Insel.

Das Hotel wieder mit Meerblick war komfortabel und sehr ruhig, was dann auch wirklich sehr gut tat. Auch das Wetter war überwiegend positiv zu bewerten. An der Küste gibt es immer Seegang, was den Fotografen freut und den Badeurlauber ärgert. Deshalb hat man hier das wohl schönste Meeresschwimmbecken Madeiras gebaut. Tagsüber werden hierher etliche Busladungen hingekarrt, die sich entweder ins kühle Nass des Atlantikwassers stürzen oder einfach den kleinen Ort und die Badestätte als solches bestaunen. Da sind die Restaurants und Cafes hier im nicht so touristisch ausgebauten Norden gut besucht und man kann getrost von einer gewissen Geschäftigkeit sprechen. Abends dann wird es wieder sehr beschaulich. Dann kehrt Ruhe ein - genau nach meinen Vorstellungen!!!

JA; Porto Moniz ist wirklich nett, aber im Nachbarort Ribeira Da Janela gibt es neben dem Feenwald den zweiten absoluten Topspot Madeiras  für Fotografen.

Mehrere mehr oder weniger spitze Felsnadeln ragen wenige Meter vom Ufer aus dem zumeist tosenden Meer! Und das schöne ist, daß es einer der wenigen Strände ist, den man recht unproblematisch mit dem ganzen Kameragedöns erreichen kann. Ja, über ein paar Steine muß man klettern, das sollte aber für die meisten gut machbar sein.

Diese schönen Nadeln nahmen wir selbstverständlich mehrfach vor die Linse. Jedesmal aus einer etwas anderen Position und bei etwas anderen Lichtverhältnissen. Morgens lohnt es sich dabei mehr, da man direkt gegen den Sonnenaufgang fotografieren kann. Abends ist die Sonne beim Untergang schon hinter den Bergen verschwunden. Aber auch dann kann man noch beste Aufnahmen machen.

Für einen schönen Vordergrund findet der ambitionierte Fotograf hier einige bemooste Steine  die beim Sonnenaufgang toll angeleuchtet werden.

Einen weiteren lohnenswerten Ausflug kann man ins nicht allzu weit entfernte Achadas Da Cruz machen.

Man erreicht westlich von dem Ort die Steilküste, von der man ohne Übertreibung einen atemberaubenden Blick auf eine kleine Siedlung unten am Strand hat. Eine Seilbahn verbindet den Parkplatz mit dem Strand, mit der man für schlappe drei Euronen den mehrstündigen Wanderweg dorthin sparen kann!!! Einigermassen schwindelfrei sollte man schon sein - alle anderen werden die tolle Aussicht auf die Szenerie geniessen. Unten kann man einen wirklich schönen Spaziergang am Meer tätigen, es gibt dort sogar ein kleines Cafe, ehe man wieder von der Seilbahn zum Ausgangsort getragen wird. Wer der Technik nicht recht traut, wird vom Seilbahnliftman mit der Info versorgt, daß die Bahn nicht "Made in China, sondern "Made in Austria" sei!!!! Ich fügte hinzu, daß das ein oder andere Teil möglicherweise auch aus dem Teutonenland beigesteuert wurde, wobei er sehr breit und wohlwollend grinste. Wir sind auf jeden Fall wieder bestens oben angekommen.

Von Porto Moniz fuhren wir am letzten Tage nochmal zu unserem lieb gewonnenen Feenwald. Doris hatte sich diese Destination mit Sonne gewünscht - und promt hatte die Schönwetterfee ihr den Gefallen getan! Wir produzierten eine ganze Reihe Sonnensterne im Geäst der knorrigen Bäume, machten noch ein paar Aufnahmen mit der Rinderherde, die hier sehr zahm ihr sehr artgerechtes Dasein fristet.....und genossen einfach mal nur diesen tollen Ort und legten dazu die Kameras auch mal für eine zeitlang beiseite!!!! Eigentlich unvorstellbar für uns!!!

Das ist ja schon fast ein schönes Schlusswort!!!

Kleines Fazit noch: Madeira hat fotografisch einiges zu bieten, die Landschaft ist wie das Wetter sehr kontrastreich. Der Norden ist mMn. fotografisch viel reizvoller, aber das Licht kann einem dort schon mal einen Streich spielen. Auch kann man in Norden sehr gut und günstig essen. Funchal ist ein Muss, wenn man zum ersten mal Madeira besucht. Die Straßen sind so gut ausgebaut, daß man ohne größere Probleme jeden Ort gut erreichen kann, was aber auch manchmal eine Krux ist. Denn die bei Fotografen so ungeliebeten Busladungen können das auch, meistens von Funchal aus - und die machen das auch!!! Einige Wanderwege sind hoffnungslos überlaufen - da hilft nur früh aufstehen!!! Noch ein Tipp für die Wanderer: Taschenlampe nicht vergessen, wenn es bei den Levadawanderungen durch die Tunnels geht!

Und zehn Tage genügen dann auch, da hat man (fast) alles gesehen, zmindestens, das was man sehen will!