2018 Vesteralen + Lofoten / Norwegen

Die Vorzeichen dieser Reise standen bis kurz vor Abreise nicht allzu gut. Schon frühzeitig natürlich wieder bei "Elch Adventure Tours" gebucht, fanden sich nicht genug Reiseteilnehmer für diese Norwegenreise, die auf die Vesteralen und auf die benachbarten Lofoten führen sollte. Eigentlich hatte Herr Richter von den "Elchen" sie schon fast abgesagt, als ich noch einen Versuch bei "Fotocommunity.de" startete, den Nordlandfans diese Reise noch schmackhaft zu machen und ein paar Mitreisende zu rekrutieren. Dieser Text zum eingestellten Bild hatte dann doch soviel Eindruck hinterlassen, daß Herr Richter und Jan, der Reiseleiter beschlossen, auch unter Verzicht von Einnahmen die Reise stattfinden zu lassen - so daß wir dann im Endeffekt incl. Jan zu dritt waren. Da gibt es wohl nicht viele Reiseanbieter, die mit zwei von 8 möglichen Teilnehmern eine solche Reise durchführen.

Wir wissen das sehr zu schätzen und bedanken uns auch nochmal auf diesem Wege bei allen Beteiligten.

Denn durch diese Konstellation hatten wir beste Möglichkeiten, mit guten Bildern nach Hause zu kommen.

Drei Fotoverrückte mit gleichen Ambitionen und Zielen - da sollte schon was Gutes bei herauskommen.

Das Wetter war für norwegische Verhältnisse sehr ungewöhnlich. Ein Hochdruckgebiet lag seit Wochen über dem Gebiet und bescherte meist einen blitzblanken Himmel, dazu aber sehr tiefe Temperaturen und oft einen eisigen Ostwind. Ein blauer Himmel ist bei Fotografen nicht unbedingt sehr beliebt, aber die klaren Nächte waren natürlich optimal für die Beobachtung und natürlich auch das Fotografieren von Polarlichtern. Zwischendurch gab es dann aber immer mal wieder ein paar Wolken, die die Bilder doch etwas abwechslungsreicher machten. Speziell beim fotografischen Highlight in Reine auf den Lofoten, hatten wir eine traumhafte Lichtstimmung. "Wenn Engel reisen"!!!! Na ja, etwas Glück gehört halt auch dazu!!!

In der ersten Hälfte dieser Reise in Nyksund auf den Vesteralen leuchteten dann jeden Abend diese mystischen Lichter, meist nicht allzu stark, aber trotzdem natürlich sehr beeindruckend.

Später dann in Kabelvag auf den Lofoten, DIE Nacht der Polarlichter - einfach unvergesslich, wie intensiv und lebhaft es in dieser Nacht am Himmel zuging.

Na ja, wir haben jedenfalls alles mitgenommen, was möglich war.

Eine Adlersafari bei Ian in Ringstadt, eine Bootsfahrt in den Trollfjord - auch mit Adlerspotting und eine Walsafari in Andenes.

Die guten Ortskenntnisse und das geschulte Auge von Jan waren natürlich auch von großem Vorteil, bereist er doch Nordnorwegen schon seit vielen Jahren. Er entdeckte immer wieder Fotomotive, die für uns wohl verborgen geblieben wären. Seine Kochkünste waren auch diesesmal nicht zu verachten. Und nebenbei ist er auch ein umsichtiger und mehr als angenehmer Begleiter!

 

Jetzt aber viel Spaß mit den Bildern und dem weiteren Reisebericht

 

 

Nachdem wir am Sonntagabend erst sehr spät in Nyksund angekommen waren, starteten wir den Montag recht gemächlich. Nach einem ausgiebigen norwegischen Frühstück mit Karamellkäse und Blaubeermarmelade und einem kurzen Briefing erkundeten wir erstmal den Ort und seine Umgebung, ehe wir dann nachmittags nach Stö fuhren. Ein paar Einkäufe erledigten wir in Myre, das die nächst relativ größere Stadt ist. Von hier aus bestiegen wir dann auch die Fähre, die die ganze Vestbyggd in ca. 4 Stunden befährt. Für uns war der Weg mit vielen schönen Fotomotiven das Ziel. Vor zwei Jahren hatten wir diese Fahrt schon mal morgens gemacht - mit ganz anderen Lichtverhältnissen. Diesesmal mit blauem Himmel und dem schönen Abendlicht war es ganz anders -  aber genau so schön!!!

Todmüde fielen wir nach einem excellenten Abendessen ins Bett, als dann Jan nochmal an die Tür klopfte. "Polarlichter!!!!". Ja, es fiel uns an diesem Abend schwer, nochmal aufzustehen, aber das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die Polarlichter waren sehr schwach, aber ein guter Test, meine neue 14er Festbrennweite mal richtig auszuprobieren. Den Test hat das edle Glas mit Bravour bestanden - es sollten noch weitere und bessere Gelegenheiten kommen!!!!

Am zweiten Tag dann gleich ein weiteres Highlight:

Jan hatte uns zwei Plätze für eine Adlersafari in Ringstad bei Ian gebucht. Ian ist ein Brite, der lange Zeit in Deutschland gelebt hat. Der Grund dafür ist seine norwegische Ehefrau Karina, die er während seiner Militärzeit in Deutschland kennengelernt hatte.

Irgendwann vor ein paar Jahren hat es die beiden nach Ringstad in Norwegen verschlagen. Dort betreiben sie sehr erfolgreich eine Pension....und bieten dort diese Seeadlersafaris an. Ian hat die wildlebenden Seeadler, genauer gesagt Weißschwanzseeadler mit Leckereien in Form von Fischen so erzogen, daß diese sich dann, ihn und sein Schnellboot wohl kennend, die ins Wasser geworfenen Fische direkt vor der Nase der Bootsinsassen mit ihren gewaltigen Fängen holen.

Wir machten diese Safari jetzt schon zum dritten mal, letztes Jahr wohnten wir sogar ein paar Tage in der Pension. Es ist immer wieder faszinierend, wenn sich die mächtigen Raubvögel dem Boot nähern und dann in atemberaubender Geschwindigkeit zupacken. Na ja, zu fotografieren ist es nicht ganz einfach, ein paar Anflüge haben wir auch vermasselt. Aber Ian sorgt dafür, daß (fast) jeder mit einem guten Bild wieder an Land geht. Sollte doch jemand "leer" ausgehen, hat er zumindestens einem tollen Naturschauspiel beigewohnt und spätestens bei der köstlichen Fischsuppe und dem selbst gebackenen Kräuterbrot sollte der Ärger vergessen sein.

Wir können jedenfalls einige "Volltreffer" melden - eine kleine Auswahl seht ihr in der nachfolgenden Bilderreihe.

Aber auch die Fahrt von Nyksund nach Ringstad hat einiges zu bieten!!! Auch wenn die Vesteralen nicht ganz so spektakulär wie die Lofoten sind, bieten sich hier zahlreiche traumhafte Fotomotive -halt ein wenig sanfter als bei den Nachbarn im Süden. Wir haben jedenfalls die Vesteralen tief ins Herz geschlossen. Einer der Gründe ist, daß es hier touristisch doch noch viel entspannter zugeht. Hier wird man so schnell keine Aufmärsche von Fotografen sehen, die in einer Reihe von 50 oder mehr die Schönheiten der Landschaft ablichten.

Auf den vesteralen kann man sich seine ganz eigenen Motive suchen und die gibt es reichlich!

Tag 3 sollte nach der langen Fahrt Richtung Ringstad etwas ruhiger gestaltet werden. Eine kleine Wanderung in der Nähe von Stö hatte Jan schon länger auf dem Schirm. Ziemlich flach zog sich der Wanderweg durch das Gelände - immer einen Blick auf die fantastische  Winterlandschaft der Vesteralen - allerdings hatte am Morgen der Wind aufgefrischt und blies uns mit gefühlten -20 grad ins Gesicht und fand jede kleine Stelle am Körper, die nicht mindestens dreimal gut verpackt war! Wir schafften es bis auf einen kleinen Hügel, von dem man eine schöne Aussicht hatte - bis zur Küste gingen wir wegen des starken, eisigen Windes nicht - fotografisch hätte das auch nicht mehr viel gebracht!

So schlürften wir nach Ankunft erstmal einen heißen Tee und schauten aus dem Auto nach neuen fotografischen Herausforderungen.

Wir fuhren nach Besuch eines gemütlichen Landcafes nochmal nach Stö zum Hafen, fotografierten da noch etwas, bevor wir dann wieder Richtung Nyksund aufbrachen. In Myre nochmal schnell etwas eingekauft und dann zurück entlang der wunderschönen 12 km langen Panoramastrecke zum Quartier am "Ende der Welt"!

Ja, Nyksund hat schon eine besonders abgelegene Lage. Für Urbanbesessene nicht unbedingt die geeignete Destination, wer aber Ruhe und Entspannung sucht, ist hier genau richtig. Gerade im Winter finde ich dieses abgelegene, wiederbelebte Fischerdorf einfach genial.

Natürlich auch wegen der Traumstrecke dorthin.

Und so kam das Highlight des Tages zum Schluss. Endlich war mal eine ansehliche Wolkenwand aufgezogen, die die Sonne schon etwas abschwächte- genau richtig, um schonmal ein paar Gegenlichtaufnahmen zu machen.  Jan hatte uns ca. 2 kilometer vor Nyksund aus dem Bus gelassen. Den Rest des Weges sind dann auf Schusters Rappen Richtung Quartier gelaufen.

Beim Sonnenuntergang machten wir dann die besten Aufnahmen des Tages. Das Licht brach genau in der richtigen Dosis mit der Wolkenwand und tauchte den Ort in magisches Licht! Eine kleine aber feine Haloerscheinung war dann noch das Extraschmankerl.

Das war ein wahrhaft würdiger Abschied von diesem besonderen Ort.

Ach ja, nach dem Abendessen gab es wieder mal Polarlichter. Wieder nicht allzu stark, aber wieder anders, wieder sehr beeindruckend!!!

Danach dann aber Schlafen gehen, am nächsten Tag hatten wir wieder "Großes" vor!

Eines kann ich jetzt schon sagen, Tag 4 war bis auf die letzte Minute komplett ausgefüllt. 

Abschied von Nyksund nach einem sehr frühen Frühstück, Koffer verstauen und dann ab auf die Piste.

Heute ging es nach Andenes zur Walsafari. Das hieß, erstmal ganz runter bis nach Sortland, um dann auf der östlichen Route ganz rauf bis in den äussersten Norden nach Andenes, um die größten Raubtiere der Welt zu fotografieren. Das war aber erst der erste Teil der Geschichte. Danach bezogen wir noch unser nächstes Quartier in Kabelvag auf den Lofoten.

Auf der Hinfahrt nach Andenes wählten wir die etwas längere aber viel schönere Strecke über Blaik mit seinem traumhaften Strand und der vorgelagerten Vogelinsel. Ein kleines Zeitfenster hatten wir noch eingebaut. Es langte für einige Fotostopps, natürlich auch in Blaik.

Maarten, der Skipper rief aber schon bei Jan an, wo wir bleiben - ja die Zeit rennt beim Fotografieren, aber die längere Strecke hatte sich doch gelohnt.

Bei Maarten angekommen, schnell nochmal auf die Toilette, Fotoausrüstung gecheckt, Überlebensanzüge an und rauf auf's pfeilschnelle Boot, das uns dann ca. 16 Kilometer auf's Meer transportierte. In diesem Gebiet trifft man ganzjährig Pottwale, die hier optimale Bedingungen haben, ihr Dasein zu fristen.

Wir konnten dann einige von ihnen beobachten und sehr schön fotografieren - wenn sie abtauchen, um wieder ganz tief im Meer auf die Jagd nach Oktopussen zu gehen. Dabei strecken sie nach dem letzten Atemzug vor dem Abtauchen die Heckflosse hoch - "DER" Moment für die Fotografen. Es sieht einfach toll aus, wenn das Wasser über die Flosse wieder ins Meer abfliesst.

Leider sahen wir so wie im letzten Jahr keine Buckel-und auch keine Pilotwale, geschweige denn Orkas. Jan zeigte uns ein Bild von einem springenden Orka, das er bei der letzten Tour gemacht hat. Hmmm, das wär's gewesen....es ist halt Natur und kein Zoo. Man weiß nie, was einen erwartet. Aber ich will nicht meckern. Wir können mit dem Erlebten sehr zufrieden sein.

Nach einer ganz schnellen, wärmenden Suppe mussten wir uns doch sputen, noch einigermaßen zeitig in Kabelvag anzukommen. Mehrere hundert Kilometer lagen vor uns. Aber einige Fotostopps waren trotzdem unvermeidbar. Einmal standen dirket am Straßenrand einige Rentiere im schönsten Licht. Ein anderes schönes Motiv war ein Kutter, der halb auf der Seite liegend, im Eis in Winterstarre "einbetoniert" unbedingt auf unseren Speicherchip gebannt werden wollte!!!

Na ja, schliesslich erreichten wir dann in der Dunkelheit Kabelvag - unterwegs hätten wir noch ein paar dutzend male anhalten können. Die Lofoten sind schon gewaltig!!!!!

Eigentlich sollten wir auf einem Campingplatz unser Quartier beziehen, aber durch die anhaltende Kälte waren die Wasserrohre dort eingefroren, so daß wir ein schönes Ausweichquartier direkt in Kabelvag erhielten. Der Besitzer gab uns noch einen Tipp, daß man aber auf dem Campingplatz sehr schöne Bilder von Polarlichtern machen könne. Ja, der Tipp sollte noch Gold wert sein!!!!

Unser "Möhren-Ingwersüppchen" hatten wir schon am Abend zuvor zubereitet. Das ließen wir uns an dem Abend noch schmecken, bevor wir alle drei todmüde ins Bett fielen. Für Jan war es durch die Fahrerei natürlich doppelt anstrengend, aber das Konzept ging voll auf. Es war eine gute Entscheidung, erst zwei Tage in Kabelvag zu verbringen und dann anschließend noch für zwei weitere Übernachtungen weiter nach Reine bzw. "A" zu fahren.

Jetzt waren wir endlich auf den Lofoten angekommen. Zuletzt im Jahre 2006, da aber im Sommer und natürlich auch mit "Elch Adventure Tours". Da wir damals so viel Glück mit dem Wetter hatten, waren wir langezeit der Meinung, das wäre nicht zu toppen. Na, bei den verbleibenden 4 Tagen jetzt konnten wir uns auch beileibe nicht beschweren.

Die lange Fahrt vom Vortage noch in den Knochen, sollte es heute mal wieder etwas entspannter zugehen.

Die ersten Bilder im schönsten Morgenlicht machten wir gleich beim Quartier. Von dort hatten wir eine schöne Sicht auf das Meer, aber auch auf den Ort Kabelvag, der natürlich jetzt bei Sonnenaufgang seinen ganz eigenen Charme versprühte.

Nach dem Frühstück fuhren wir los Richtung Halbinsel Gimsoy, entdeckten dann auch gleich mit Dorsch beladene Trockengestelle, die wir während unserer Reise meist leer antrafen. Weiter zur Kirche und dem einsam stehenden Felskopf "Hoven", der natürlich mit den Eisblöcken am Fuße auch ein feines Fotomotiv abgab.

Danach statteten wir Henningsvaer noch einen Besuch ab, das man auch das Venedig des Nordens nennt. Ein paar Aufnahmen am Hafen und noch einige Impressionen ausserhalb des Ortes. Beim Mittagslicht und blauem, doch eher langweiligem Himmel beschlossen wir, ins Quartier zurückzukehren und einfach mal zwei Stunden Pause zu machen. Man wußte ja nicht, was abends noch auf einen zukommen konnte. Da am Abend Polarlichter angesagt waren, checkten wir noch den Campingplatz, den wir ja vom Besitzer tagszuvor empfohlen bekommen hatten. Ja, das sah sehr gut aus. Eine still gelegene Bucht mit Blick auf verschneite Berge. Einige Häuschen am Rande des Fjords, die ein paar stimmungsvolle Lichter abgeben konnten.

Nach der besagten Pause machten wir uns zum Sonnenuntergang nochmal Richtung Norden auf, wo es einen sehr schönen Aussichtspunkt über einer Bucht gibt - auf einer kleinen Halbinsel dekoriert eine kleine Kirche noch zusätzlich die höchst attraktive Landschaft. Erst erlebten wir hier den Sonnenuntergang, später noch die blaue Stunde.

Dann zurück nach Kabelvag, Abendessen......und dann standen ja noch Polarlichter auf dem Programm. Es ist aber trotz der Prognosen immer höchst ungewiss, ob da welche kommen und wie stark und, und, und!!!!

Nach dem Essen schaute Jan nochmal raus und kam mit der Botschaft wieder ins Haus: Da tut sich was am Himmel!

Wohl gestärkt vom Essen und ausgeruht von unserer kleinen Siesta am Mittag machten wir uns auf zum 4 Kilometer entfernten Campingplatz.

Es war absolut windstill und nur ganz leichte streifige Wolken am Himmel zu sehen.

Optimale Bedingungen für Polarlichtfotografie!

Und die kamen jetzt mit viel Schwung über Berggipfel gewandert.

Was dann folgte, ist kaum in Worte zu fassen. Alle paar Sekunden bauten sich neue Vorhänge auf - in einer fantastischen Dynamik.

"Guckt mal nach oben, zur Seite, nach links, von vorn und von rechts" hieß es ständig von jemand anderen.....und wir waren NUR zu dritt. Der Campingplatz war ja wegen der eingefrorenen Wasserleitung nicht bewohnt. Und auch sonst hatte keiner der Hundertschaften von Fotografen, die jetzt die Lofoten bevölkerten, diesen Platz angesteuert. In Flakstad, am Hauklandbeach oder an anderen attraktiven Plätzen standen die Stative jetzt wohl eines neben dem anderen. Es war einfach nur klasse, dieses Naturschauspiel so zu erleben. Selbst der erfahrene Jan war ganz aus dem Häuschen. Solch tanzende Polarlicher hatte er in all den jahren auch noch nicht gesehen. Und wir tanzten wie Rumpelstilzchen um die Stative...na ja, vielleicht etwas übertrieben - aber gefühlt könnte man es meinen.

Nach zwei Stunden war das Spektakel dann vorbei. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht schliefen wir dann später ein!!!!!

Als ich am nächsten Morgen wach wurde, fragte ich mich ernsthaft, ob das alles nur ein Traum war, oder ob ich das wirklich erlebt hatte. Ja, diese Polarlichter können einen schon in den Bann ziehen.

Viel Zeit zum Nachdenken gab es nicht. Heute ging es per Boot in den Trollfjord incl. Dorsch angeln und Adlersafari.

Na ja, lebende Kreaturen in die ewigen Jagdgründe zu schicken, ist nicht unser Ding, aber Adlersafari, das geht natürlich immer. Die geangelten Fische wurden dann immerhin den Adlern angeboten. Da hatte dieser Punkt doch noch einen halbwegs versöhnlichen Aspekt.

Von Svolvaer ging es los. Erst eine kurze Einweisung in einem Hotel. Es wurde kurz erklärt, wo es hinging und was zu erwarten war. Nachdem der Mitarbeiter seine Erklärungen heruntergerattert hatte (gähn), ging es auf's Boot, wo wir wieder mal in einen Überlebensanzug "kletterten"! Die sind auf dem Boot wirklich sehr angenehm, leicht aber dennoch halten sie den Körper schön warm....leider wohl nicht warm genug, denn an dem Tag breitete sich bei mir dann doch so ganz allmählich eine starke Erkältung aus, die mich dann bis zum Schluss der Reise sehr anhänglich begleitete. Bis jetzt war aber noch alles im grünen Bereich.

Durch Traumlandschaften ging es ein paar Kilometer durch die Fjorde der Lofoten. Bei einem Stopp wurden ein paar Angeln verteilt und wirklich nur ein paar Minuten später hing der erste Dorsch am Haken. Die Crew half, den prächtigen Burschen an Bord zu ziehen. Der glückliche Angler schaute ziemlich verdutzt und war doch etwas überfordert. So ging es Schlag auf Schlag, bis einige Fische dem Wasser entrissen waren. Die hier lebenden Seeadler kennen das Ritual sehr genau. Sie wussten wahrscheinlich besser als wir, was dann kam. Ein paar schrille Pfiffe der "Matrosen" - und gleich segelte der erste Seeadler über das Boot. Einer der gerade geangelten Fische ging über Bord und Sekunden später befand er sich in den kräftigen Klauen des beeindruckenden Greifvogels!

Schnell gesellten sich noch einige Adler dazu - einer fing sogar den hochgeworfenen Fisch aus der Luft!!!!

Tja, Übung macht den Meister!!!!

Dann ging es weiter bis zum Trollfjord. Dieser sehr kurze aber wunderschöne Landeinschnitt begrüsste uns mir einem komplett  vereisten Wasserfall. Da klickten die Cams im Dauerfeuer. Die verschiedenen Farben und Formen des Eises waren sehr fotogen, aber auch der Fjord an sich mit einzelnen Eisschollen war ein prächtiges Fotomotiv. Danke noch an den Skipper, der GANZ nah an die schönen Eisskulpturen ranfuhr.

Ein heißes Süppchen wurde serviert, das man bei den eisigen Temperaturen auch gut vertragen konnte.

Auf dem Rückweg hielten wir noch mal bei den Seeadlern an, die dann den Rest der gefangenen Dorsche für ihre imposante Flugschau erhielten. Und das alles bei wieder mal strahlendem Sonnenschein, es gab keinen Grund zum meckern!

In Svolvaer zurück, ging es dann per Bus weiter nach "A", dem südlichsten Ort der Lofoten. Wir waren gut in der Zeit, es reichte noch für einen Einkauf in Leknes und einige Fotostopps auf dieser Traumroute. Ja, die Lofoten sind landschaftlich schon eine der schönsten Ecken, die Europa zu bieten hat. Das hat sich mittlerweile herumgesprochen, gerade bei den Fotografen, die man hier doch fast überall antrifft. Auf den Vesteralen sah das ganz anders aus. ich will mich aber nicht beschweren, wir sind ja schliesslich auch ein Teil dieses Touristikzweiges, der einigen Norwegern schon ziemlich auf die Nerven gehen dürfte. Vor allem werden es wohl die respektlosen Kollegen sein, die einfach in irgendwelche Fischfabriken o.ä. laufen und ohne zu fragen alles fotografieren, was ihnen vor die "Flinte" kommt!

Andererseits kommen natürlich durch den Tourismus ordentlich Devisen ins Land - erstaunlich, wo man überall neue Siedlungen mit Unterbringungsmöglichkeiten entdecken kann. Ich hoffe, daß man hier Augenmaß bewahrt, und die Natur nicht allzu sehr leiden lässt.

Über einen Abstecher am berühmten Hauglandbeach, Flakstad und Ramberg ging es dann zum vielleicht schönsten aber auch überlaufendsten Spot der Lofoten - Reine und Hamnoy, diese Motive durften auch bei uns nicht fehlen. Wir hielten nach Sonnenuntergang noch kurz oberhalb von Reine an. Cirka 70 - 80 Fotografen aus aller Herren Länder standen da oben am Zaun in Reih und Glied mit ihren Stativen und versuchten, das Nachglühen der Sonne ohne Gestrüpp im Vordergrund abzulichten. Zusätzlich surrten noch ein paar der nervtötenden Dronen durch die Luft. Das war schon ziemlich abtörnend. Aber ein paar Aufnahmen machten wir schon. Am nächsten Morgen wollten wir wieder hier sein. Da sollte es dann besser aussehen. Denn Sonntag ist An-und Abreisetag!!! Heute am Abend wollten viele wahrscheinlich nochmal den letzten Abend geniessen. Sei es ihnen gegönnt.

Wir fuhren jedenfalls weiter zu unserem neuen Quartier nach "A"!!!

Ein leckeres Abendessen in der supergemütlichen Stube - KEINE POLARLICHTER in dieser Nacht. Ja, manchmal ist man gar nicht so bös, wenn der Himmel mal ruhig bleibt. Irgendwann muß man ja auch mal schlafen - vor allem mit einer aufkommenden Erkältung!!!

 

 

Heute am Sonntag stand also der fotografische Höhepunkt auf dem Programm. Von "A" aus fuhren wir die 12 Kilometer bis Reine, dem wohl fotogensten Ort auf den Lofoten. Direkt daran über ein, zwei Brücken liegen Hamnoy und Sakrisoy, Bilder von diesen Spots haben wohl viele schon gesehen. Ja, es ist schon ein kleiner Wehrmutstropfen, diese schönen Motive mit so vielen teilen zu müssen. Trotzdem wollten wir aber auch Fotos von diesen begehrten Motiven im Archiv haben. Wegen der verschiedenen Wetter-und Lichtsituationen ist ja dann doch jedes Bild einzigartig.

Der eigentliche Sonnenaufgang versteckte sich hinter einer Wolkenwand, als wir wieder an gleicher Stelle wie am Abend zuvor, oberhalb von Reine - diesmal aber NUR mit 3 anderen Fotofreunden - standen. Trotzdem war da aber ein unbeschreiblich schönes Licht. Die Berge im Hintergrund noch mit hohem Blauanteil, der kleine Fischerort vorn schon ganz leicht vom Morgenlicht gestreichelt.

Weiter dann ein paar Kilometer nach Sakrisoy mit den schönen auf Stelzen gebauten gelben Häusern, die einen perfekten Vordergrund zum Bergpanorama mit dem Reinebryggen abgeben.

Kaum die Stative auf der bekannten Veranda der Roerbues, wo wir vor 12 Jahren so fürstlich gespeist hatten (gehörte damals zu unserem Quartier), gestellt, lugte die Sonne ganz vorsichtig über die Wolken und tauchte die ganze Szenerie in ein Traumlicht. Der Wettergott hatte perfekt mitgespielt und uns an diesem Morgen einen genialen Wolkenhimmel mit den passenden Lücken spendiert. Ja, ein wenig Glück gehört halt auch dazu. Dann noch ein paar Aufnahmen vom Hafen und das Standartmotiv von der Brücke, da hatten wir innerhalb einer halben Stunde perfekte Aufnahmen im Kasten. Als die schöne Lichtsituation dann vorbei war, beschlossen wir, jetzt erstmal wieder nach "A" zurückzukehren, frühstücken und dann mal das Wetter abwarten. Mittlerweile standen wir im dichten Nebel.

Der hielt sich aber nicht allzu lange, trotzdem beantragte ich eine Auszeit weger der schlimmer werdenden Erkältung. Die Nase lief in einer Tour und langsam meldeten sich die Bronchien mit Hustenreiz. Ein Mittag im warmen Quartier sollte da etwas hilfreich sein. Zeit und Neugier trieben mich zum mitgebrachten PC, um doch mal zu schauen, was wir so auf den Chip gebannt hatten.

Gegen Nachmittgag fuhren wir dann nochmal los, um noch schöne Aufnahmen im Abendlicht zu machen. Es ging noch rauf bis nach Fredfang, wo wir noch schöne Wolkenformationen in Kombination mit der verschneiten Landschaft ablichteten. Bis zum letzten Lichtstrahl waren wir noch unterwegs. In "A" wartete noch ein weiteres Highlight, diesmal kulinrischer Art! Jan hatte schon seinen berühmten Bacalao vorbereitet, den wir uns dann zum Abendessen mit großem Appetit einverleibten. Trotz dieser vielen Endorfine, die während des Tages in meinen Blutkreislauf ausgeschüttet wurden, bekam mein Immunsystem die Erkältungsviren immer weniger in den Griff. Ich verzichtete sogar auf mein abendliches Bierchen. Kein gutes Zeichen.

Am nächsten Tag stand ja auch nur noch die Fährüberfahrt von Moskens zurück ans Festland auf dem Programm. Eine Übernachtung noch am Saltstraumen, dann ging es wieder zurück in Richtung Mitteleuropa. Dienstag Abend würden wir wieder daheim sein.

Montagmorgen 7Uhr ging die Fähre von Moskenes nach Bodö ans Festland. Vier Stunden dauerte die Überfahrt. Vorher schauten wir noch in Reine vorbei, das lag aber jetzt komplett im Nebel. Also schlossen wir das Kapitel Lofoten ab und begaben uns zum Fährhafen, wo wir auch gleich ohne Warterei auf das Schiff durften.

Ich habe von der Überfahrt nicht viel mitbekommen, hab mich gleich auf einer Viererbank lang gemacht und hab versucht, die Augen zu schliessen. Das gelang auch phasenweise, zwischendurch immer wieder Husten, Schnupfen...ja wir Männer können schon empfindlich sein ;-)))

Aber im ernst: ein wirklich widerlicher Virus,  - später hatte er dann auch Doris befallen. Jetzt knapp zwei Wochen danach, wo ich jetzt diese Zeilen schreibe, husten wir beide noch recht heftig.  Aber was soll's!

Im Großen und Ganzen habe ich ja (fast) alles mitmachen können. Und trotz dieser Unannehmlichkeit bereue ich keine Minute dieser Reise!!!!

Von Bodö aus hatten wir dann noch knapp eine Stunde zum Saltstraumen, dem größten Gezeitenstrom der Welt.

Wir kannten den schon von vor 12 ahren. Wirklich beeindruckend, wenn die Wassermassen aus der Bucht rein- rausfliessen.

Um ca: 14 Uhr sollte laut Tabelle der Höhepunkt der Tiede sein. Da sind Doris und ich nochmal ein Stündchen raus, um ein paar Aufnahmen zu machen. Die Sonne strahlte ja inzwischen wieder. Aber irgendwie war langsam die Luft raus. Auch solche fotografische Intensivtätern wie wir werden dann irgendwann mal müde, nicht zuletzt natürlich auch wegen der Erkältung. So genossen wir erst die von Jan zubereiteten Blaubeermarmeladenwaffeln und dann später noch das schöne Abendrot - diesmal aber durch die Fensterscheibe.

Frischen Dosch gab es auch nochmal!!!

Auf dem TV-Gerät der Hütte schauten wir noch ein paar Bilder, die dann so schön ermüdeten, daß wir die letzte Nacht auf norwegischem Boden gut schliefen.

Am nächsten Morgen brachte Jan uns dann zum Flughafen von Bodö und nach etlichen Stunden erreichten wir dann abends unser Zuhause.

Abschliessend war es eine aussergewöhnliche Reise in einer Konstellation, die wohl so einmalig sein dürfte. Wir haben sie in vollen Zügen genossen. Nochmal einen großen Dank an "Elch Adventure Tours" und natürlich an Jan, der uns ein großartiger Reiseleiter und Begleiter war!!!!

Es ist zu befürchten, daß wir nicht das letzte mal mit diesem Unternehmen auf Reisen gehen werden - egal in welcher Konstellation!

Mit Jan auf jeden Fall - immer wieder!!!!